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Abgrenzung Untersuchungsbereich über ein Kontextdiagramm

Die Abgrenzung des Untersuchungsbereichs besitzt in der Systemanalyse eine außerordentlich wichtige Bedeutung für ein Projekt. Dennoch wird sie in der Praxis der Anforderungsanalyse oft zu spät und unsauber eingesetzt. So wird zum Beispiel im Information Engineering der System-Kontext erst in der Analyse-Phase definiert (s.a. Software Engineering Vorgehensmodelle).
Bei einer frühzeitigen Durchführung während der Systemplanung können über die Systemabgrenzung in einer Black-box-Betrachtung die folgenden Aspekte als wesentliche Fakten klargestellt und über eine Diagramm-Darstellung (Kontext-Diagramm als âInformationsflussdiagrammâ oder âUML-Diagrammâ) visualisiert werden:

  • Welche Komponenten zum Projekt gehören und welche außerhalb liegen,

  • dass die Projektziele zum Projektinhalt passen,

  • dass alle Verantwortungsträger für die Komponenten der System-Schnittstellen an der Planung beteiligt werden und

  • dass dementsprechend die notwendige Kompetenz im Projekt vorhanden ist.

Die Klärung dieser Fragen erleichtern die Aufgaben im Projektmanagement bzw. der Projektleiter. Dabei gilt auch festzulegen, ob das Diagramm den System-Kontext oder den Projekt-Kontext als Ausschnitt des Systems darstellt.

In der Systemabgrenzung führt der Weg zu einem Kontextdiagramm über

  1. Analyse der Externen Partner
    Für wen wird das System entwickelt?
    Wer kann die Durchführung seiner Aufgaben durch die Nutzung des Systems erleichtern?
    Wer ist Empfänger oder Lieferant von Leistungen?
    Wer hat einen Informationsbedarf, den das System abdecken kann?
    Wer wird mit der Administration und Pflege des Systems betraut?
    Voraussetzung für Mittelanalyse und Kommunikationsflussanalyse.

  2. Wirkungsanalyse
    Was soll das System produzieren? (Anforderungskatalog!)
    Welche Wirkungen beeinflussen das System?
    Welche Leistungen können in separate Systeme ausgelagert werden? (Ziel: Projekte mit geringerem Umfang!)

  3. Mittelanalyse
    Wie sieht der Materialfluss zwischen Externen Partnern (zum Beispiel Kunde, Lieferant) und System aus? (Materialfluss kann zum Beispiel Waren oder Geld beinhalten.)

  4. Kommunikationsflussanalyse
    Kommunikationsfluss zwischen Externen Partnern und System.
    Durch welche Funktionen können Aufgaben besser zwischen Externen Partnern koordiniert werden?
    Welche Informationen müssen Externe Partner liefern, damit das System seine Aufgaben erfüllen kann?
    Wie müssen die Systemschnittstellen zu anderen Anwendungen beschaffen sein?

  5. Einflussgrößenanalyse
    Art und Umfang der äußeren Einflüsse auf ein System (Rollen - Interessen - Einflüsse).
    Wer muss in die Projektplanung einbezogen werden?
    In der Einflussgrößenanalyse wird die Wirkung der externen Einflüsse auf das System bewertet.

Die Systemabgrenzung wird im Kontext-Diagramm grafisch als Informationsfluss-Diagramm (Datenflussdiagramm) mit den Elementen

  • Funktion (Prozess, Aufgabe),

  • Externer Partner (Beteiligter, Externe Schnittstelle, Terminator) und

  • Informationsfluss (Kommunikationsfluss, Datenfluss, Materialfluss)

dargestellt. Zusätzlich wird für alle im Kontext-Diagramm enthaltenen Elemente eine Definition und eine Beschreibung erstellt. Die Beschreibung soll die Präzision der Abgrenzung zu erhöhen.

Das Kontextdiagramm wird in der Strukturierten Analyse als Datenfluss-Diagramm der Ebene 0 bezeichnet.


Beispiel: Modellierung Kontextdiagramm zum Abgrenzen des "System: Beherbergung" in einem Hotelbetrieb als Informationsfluss-Diagramm (IFD)

Systemabgrenzung Kontextdiagramm Informationsfluss-Diagramm

Kunde und Gast sind hier im Kontextdiagramm externe Beteiligte,
Marketing ist als Abteilung im eigenen Haus ebenfalls Externer Partner des Systems "Beherbergung",
FiBu, Beschaffung und Partner verwalten sind im Beispiel per Definition unabhängige Hotel-Systeme mit Schnittstellen zur Beherbergung.
Die Externen Partner / Externe Schnittstellen stellen im Kontext-Diagramm zusammen die Umgebung der Anwendung "Beherbergung verwalten" dar und sind jeweils über einen Informationsfluss / Kommunikationsfluss / Datenfluss mit dem System verbunden.


Die Systemabgrenzung kann ebenso in der Notation der Unified Modeling Language als UML-Kontextdiagramm dargestellt werden.

Systemabgrenzung Kontextdiagramm UML

Beispiel: UML-Kontextdiagramm mit den Objekten Akteur und Anwendungsfall für die Anwendung "Beherbergung verwalten"


In der Anforderungsanalyse werden im Use-Case-Diagramm jedoch üblicherweise jeweils Ausschnitte des Systems für zusammenhängende Use Cases oder Geschäftsprozesse (s.a. Geschäftsprozess-Modellierung) dargestellt. Damit ist die Darstellung einer Systemabgrenzung in der UML-Modellierung meist nur über die Definition mehrerer Use-Case-Diagramme machbar. Auch ist die Definition der Inhalte der Schnittstelle zwischen den Externen Partnern und dem System im Diagramm nicht ersichtlich.

Im Vorgehen der UML-Modellierung wird der Begriff Kontextdiagramm auch verwendet, um die Umgebung eines einzelnen Objektes darzustellen und daraus die Requirements abzuleiten. Es werden dann alle Objekte im Diagramm aufgezeigt, mit dem ein ausgewähltes Objekt in Beziehung steht.

Zum Thema Abgrenzung Untersuchungsbereich im Rahmen der Systemanalyse bietet INffORUM Schulungen (Seminar, Workshop, Tutorial) und in der Projektarbeit Coaching und Unterstützung bei der Durchführung. Auch der Werkzeug-Einsatz, sowohl für SA-Tools als auch für UML-Tools, kann in der Schulung vermittelt werden (s.a. Werkzeuge Software Engineering).

Das Training zur Methode der Systemabgrenzung, sowohl Seminar als auch Workshop und Tutorial, kann dabei auf den speziellen Bedarf einer Projekt-Gruppe zugeschnittenen werden. Die Durchführung steht meist im Zusammenhang mit anderen Methoden der Anforderungsanalyse oder der Anwendungsentwicklung.

Profitieren Sie von den langjährigen Erfahrungen der INffORUM Berater.